NaTour Urwald Teil 1: Polen und Weißrussland

Die Puszcza Białowieska, auf weißrussischer Seite Белавежская пушча, markiert den nördlichen Teil des europäischen Primärwaldes. Er zieht sich entlang der Ostgrenze der Europäischen Union auf einer Fläche, die fast doppelt so groß ist wie Berlin. Etwas weniger als die Hälfte des Waldes befindet sich im Nordosten Polens, der Rest in Weißrussland. 

Einst erstreckte sich diese für unsere Breiten eigentlich typische Landschaft über den gesamten europäischen Kontinent. Geblieben ist nur ein mehrfach unterbrochenes Band, das von Nordpolen und Weißrussland über die slowakische Tatra und die Nordwestukraine weiter über die rumänischen Karpaten bis in den Süden Bulgariens reicht. 

Auf dem Stand eines im wissenschaftlichen Sinne zu verstehenden Urwaldes befinden sich leider nur noch Fragmente. Dennoch sind dies im Vergleich zu den uns in Westeuropa bekannten Wäldern geradezu riesige Gebiete. Kilometerweit agiert hier die Natur seit Jahrtausenden in Schönheit und Drama, wie es nur die Natur vermag.

Als Fotografin und Journalistin sowie Autorin habe ich mir vorgenommen, alle Teile des europäischen Urwaldes kennenzulernen, zu fotografieren und zu erzählen, was ich auf meinen Reisen erlebe und worin die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Regionen bestehen. 

Der Grund für mein Interesse liegt für mich auf der Hand: Ich liebe Wald. Und „unser“ Urwald ist in akuter Gefahr, nicht nur aufgrund des Klimawandels, der auch gesunden Wäldern zusetzt. Der Mensch ist das Problem. 

Natürlich sind EU-weit alle Naturschutzgebiete in mehreren Stufen gesetzlich geschützt, teilweise besteht sogar ein striktes Betretungsverbot. Dennoch werden täglich tausende wertvolle Bäume geschlagen, verladen und exportiert – auch nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Das ist illegal, doch es wird kaum geahndet. Dafür gibt es mehrere Gründe, die ich zwar nachvollziehen, aber nicht akzeptieren kann. 

In meinen NaTour Magazinen zeige ich Ihnen, was den europäischen Urwald ausmacht und warum jeder von Menschen unberührte Quadratmeter von existenzieller Bedeutung für das Ökosystem Wald ist.